Biographie lang

Peter Tilling, geboren in Mainz, ist Dirigent, Violoncellist und Pianist.

Er studierte Dirigieren bei Peter Eötvös, Violoncello bei Martin Ostertag, beides an der Musikhochschule Karlsruhe, sowie Klavier bei Paul Dan an der Musikhochschule Mannheim. Weitere Studien führten ihn zu Sylvain Cambreling, Franz Welser-Möst, Christoph Prick und  Jorma Panula. Seinen ersten, prägenden Dirigierunterricht erhielt er durch GMD Prof. K. Eisenmann, wichtige Klavierstudien durch Prof. S. Panzer an der Musikhochschule Mannheim.

Internationales Aufsehen erregte sein erfolgreiches Einspringen bei den Bayreuther Festspielen 2011 mit Tannhäuser für Thomas Hengelbrock.

In der vergangenen Spielzeit 2014/15 leitete er Konzerte mit dem Philharmonia Orchestra London, dem Gulbenkian Orchester Lissabon, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der jungen deutschen philharmonie, dem Orquestra Metropolitana Lissabon, den Münchner Symphonikern sowie mehrere Projekte mit risonanze erranti.

Am Opernhaus Zürich dirigierte er Die Frau ohne Schatten  (2010 und 2014), am Teatro Real La Clemenza di Tito, an der Opèra de Montpellier Montverdis L'Incoronazione di Poppea, an der Staatsoper Stuttgart Die Fledermaus, an der Nederlandse Opera Rihms Dionysos, am Theater an der Wien The Rakes Progress, im Topkapi Palast Istanbul eine Neuproduktion von Mozarts Die Entführung aus dem Serail mit dem Borusan Philharmonic Orchestra sowie am Theater Coburg La Traviata. 

Bei der Münchner Biennale 2014 wie auch am Theater Freiburg dirigierte er die UA von Hector Parràs Oper Das geopferte Leben mit dem ensemble recherche und dem Freiburger Barockorchester. Für die Musica viva des Bayerischen Rundfunks leitete er 2013 bei der ersten Gesamtaufführung von Stockhausens SAMSTAG aus LICHT den Samstags-Gruß.

Die Arbeit mit jungen Musikern ist für ihn zentral, er arbeitete u.a. mit den Orchestern der Musikhochschulen Karlsruhe und Mannheim, der jungen deutschen philharmonie, dem Interregionalen Jugendorchester und dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg.

Als Musiker, für den die Tradition und der historische Kontext ebenso wichtig sind wie die zeitgenössische und aktuelle Musik, hat Peter Tilling sowohl eine Karriere im deutschen Kapellmeister – und Opern-System verfolgt wie auch eine rege freie Tätigkeit mit Ensembles für Neue und alte Musik.

Von 2003 – 2006 war er Kapellmeister und Solo-Repetitor am Badischen Staatstheater Karlsruhe, dort dirigierte er u.a. Händels Almira, Boitos Mefistofele, Mozarts Die Zauberflöte und Die Entführung aus dem Serail, Operetten von Strauss bis Kalman (Csardasfürstin) sowie die Opern Carmen, L'elisir d'amore und Hänsel und Gretel.

Direkt anschliessend war er 1.Kapellmeister am Theater St.Gallen, wo er die Premieren Don Giovanni, Wiener Blut, Ernani (B-Premiere) und Le Sacre du Printemps leitete wie auch Die lustigen Weiber von Windsor, Lucia di Lammermoor und Der Freischütz sowie Ballette und Konzerte.

In der Spielzeit 2012/13 dirigierte er u.a. Wagners Der fliegende Holländer (Staatstheater Nürnberg) sowie Konzerte beim Festival Musica Classica Palermo.

Weiterhin dirigierte er das SWR Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das Cairo Symphony Orchestra, die Göteborger Sinfoniker, den Kammerchor des Tschaikowskij Konservatoriums Moskau und die Symphonieorchester Wuppertal und Jena.

2014 leitete er die sehr erfolgreich aufgenommene Wiederaufnahme-Serie Die Frau ohne Schatten am Opernhaus Zürich, nach dem er diese Oper dort schon 2010 dirigiert und als Assistent von Franz Welser-Möst mit einstudiert hatte.

Er leitete folgende Gastdirigate: Die Zauberflöte (Wuppertal), Idomeneo (Osnabrück), Der Ziegeunerbaron (Regensburg), Don Pasquale, Eine Nacht in Venedig, Iphigénie en Tauride, La Traviata, Die Csardasfürstin (Coburg).

Bei den Bayreuther Festspielen 2011 dirigierte er mit grossem Erfolg Tannhäuser als Einspringer, sein Wagner-Debut überhaupt. Die begeistert aufgenommene Vorstellung am 13.August 2011 war gleichzeitig die Jubiläumsvorstellung zum 100 jährigen Jubiläum der Festspiele. Die Begegnung mit Thomas Hengelbrock ist eine prägende Erfahrung.

Neben seiner Tätigkeit als Operndirigent gilt sein besonderes Interesse der zeitgenössischen Musik.  Er dirigierte Sciarrinos 'Infinito Nero' und Peter Maxwell Davies 'Eight songs for a mad king'  am Theater Coburg, leitete Konzerte der 'Gruppe für Neue Musik Berlin' mit neuen Werken von Anno Schreier und Johannes Motschmann und Stücken von Ligeti, Xenakis und Rihm.

Er ist Gründer und Initiator von risonanze erranti, einer Münchner Gruppe für Neue Musik. Bisherige Programme mit Musik von Feldman, Eimert, Schreier, Rihm, Berg, Stockhausen standen Ur- und Erstaufführungen gegenüber von Rihm, Joneleit, Motschmann, Holz, Masanetz und Ernst Krenek (2. Symphonische Musik op.23). Eine CD mit Werken von Krenek ist in Vorbereitung.

In den Spielzeiten 2017 und 2018 spielen risonanze erranti/Peter Tilling Uraufführungen von Hector Parra, Peter Ruzicka, Birke Bertelsmeier, Benjamin Scheuer und Philipp Maintz, die mit freundlicher Unterstützung der Ernst-von-Siemens Musikstiftung sowie der NRW Kunststiftung für das Ensemble geschrieben worden sind.

Als Assistent arbeitete er bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen sowie am Opernhaus Zürich, u.a. mit Nikolaus Harnoncourt, Franz Welser-Möst, Ingo Metzmacher, Sylvain Cambreling,Thomas Adès, Andreas Spering und Peter Eötvös.

Als Cellist studierte er bei Martin Ostertag (Konzertexamen an der Musikhochschule Karlsruhe) und hatte weiteren Unterricht bei Steven Isserlis, Gustav Rivinius, Walter Nothas und Uzi Wiesel.

Von 2000-2002 spielte er bei den Münchner Philharmonikern, weiterhin beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und dem Ensemble Modern Orchestra.

Er war Mitglied des Kastalia-Quartetts. Auf CD liegt die Uraufführung von Wolfgang Rihms Bildnis/Anakreon vor, bei Spotify/itunes erschien Augmented Reality von Johannes Motschmann.

Klavier studierte er bei Paul Dan (Konzertexamen an der Musikhochschule Mannheim) und hatte weiteren Unterricht bei Klaus Schilde, Hans Leygraf und Karlheinz Kämmerling. Er ist als Liedbegleiter tätig und spielte für den SWR und den Saarländischen Rundfunk Aufnahmen ein.

Peter Tilling schreibt über Musik für Noteneditionen und Programmhefte. Sein Hauptinteresse gilt der Musik der dt. Romantik (vom späten Mozart über Schubert, Schumann, Burgmüller bis hin zu Wagner) und der Musik des Expressionismus, hier besonders den Werken von Krenek, Toch und Hindemith.

Er war stellvertretender GMD und 1.Kapellmeister am Staatstheater Nürnberg , dort dirigierte er die Premieren Turandot, Le Nozze di FIgaro, Judas Maccabaeus sowie ..and the trains kept coming.. (Lior Navok). Weiterhin dirigierte er dort Arabella, Tosca, Tristan und Isolde, Der fliegende Holländer, König Roger, Nabucco, Un ballo in maschera, Die Zauberflöte und Die Entführung aus dem Serail. Mit der Staatsphilharmonie Nürnberg leitete er zahlreiche Konzerte (Symphoniekonzerte, Kantatenkonzert, Kinderkonzerte) wie vor allem ein von ihm konzipiertes Format mit Neuer Musik in der Discothek Hirsch.

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